Waldviertel Teil 2

Waldviertel Bahn in Langschlag

Gmünd – Groß Gerungs (Südast)

 

Die zunächst parallel verlaufende Nordstrecke in einem Linksbogen hinter sich lassend, unterquert die Südstrecke in unmittelbarer Nähe eines Fußgeher- und Fahrrad-Grenzüberganges, der heute über die Lainsitzbrücke der ehemaligen Bahntrasse führt, den Bahndamm der Franz-Josefs-Bahn, rechts der Strecke sind die Reste der alten Linienführung noch als Gleisdreieck zum sporadischen Wenden von Schmalspurfahrzeugen erhalten.

Die Strecke führt auf den ersten Kilometern durch offenes Ackerland in südwestlicher Richtung ins Tal der Lainsitz, mit der Haltestelle Ehrendorf noch einen Teil von Gmünd II und mit Dietmanns und Eichberg Katastralgemeinden der Gemeinde Großdietmanns erschließend. Nach einem scharfen Bogen nach Süden folgt der Bahnhof Alt Weitra der Gemeinde Unserfrau-Altweitra, einem lokalen Wallfahrtsort, der folgende Anstieg von ca. 50 Höhenmetern hinauf zum Bahnhof Weitra wird mittels einer Kehrschleife überwunden. Nach Weitra führt die Strecke über den Veitsgrabenviadukt, das größte Brückenbauwerk der Waldviertler Schmalspurbahnen, und kurz darauf über einen zweiten, kürzeren Viadukt, die Trasse verbleibt dabei am Hang oberhalb des Lainsitztales. Es folgen die Haltestellen Langfeld und Schöllbüchl, letztere erst 1986 eröffnet, und der Bahnhof St. Martin. Die Bahn verläuft nun auf dem Talgrund, direkt neben dem Bach, der in diesem Abschnitt mehrmals Überschwemmungen der Bahntrasse verursachte. Nach 24 Kilometern ist der Bahnhof Steinbach-Groß Pertholz erreicht.

Dampflokomotiven ergänzen hier ihre Wasservorräte, die Ausfahrt des Bahnhofes liegt bereits in der Steilrampe der Bergstrecke, die ob ihres Gebirgsbahncharakters und Steigungen bis zu 26 ‰ auch als „Waldviertler Semmering“ oder „Kleiner Semmering“ bezeichnet wird. Nach zwei Kilometern befindet sich die Haltestelle Abschlag, die Touristikzüge legen hier einen „Erlebnishalt“ zum Besuch des Fassldorfes, einer lokalen Touristenattraktion, ein. Die Strecke führt dann weiter durch dicht bewaldetes Gebiet in kurvenreicher Linienführung hinauf zum Scheitelpunkt der Bahn, der auf 806 m Seehöhe bei der alten Haltestelle Bruderndorf liegt. Die Haltestelle, zwischen den beiden Bruderndorfer Tunnel (den einzigen Tunnel des Waldviertels) weit abseits des gleichnamigen Dorfes gelegen, wurde an dieser Stelle vor allem wegen einer Quelle, die zur Ergänzung der Wasservorräte der Dampfloks genutzt wird, errichtet. Seit Filmaufnahmen („Schloß Gripsholm“) im Jahr 2000 trägt das Wartehäuschen den Namen „Mariefred“, was vor allem bei schwedischen Fahrgästen eine gewisse Begeisterung auslöst. Nach Fahrt durch den Scheiteltunnel und weiteren Kilometern durch Wald, kommt die Bahn allmählich in offeneres Gelände, wo sich auch die 1986 neu errichtete, näher zum Ort gelegene Haltestelle Bruderndorf befand. Bei Streckenkilometer 33,7 quert die Bahn die Europäische Hauptwasserscheide und wendet sich dem Tal der Zwettl zu, kurz darauf ist der Bahnhof Langschlag erreicht.

Auf dem Ladegleis des Bahnhofes ist heute die Dampflok 298.206 als Denkmal aufgestellt, nachdem diese zuvor für viele Jahre neben der Kirche im Ort aufgestellt war. In einem Güterwaggon ist ein kleines Museum eingerichtet. Die Strecke führt ab hier neben der Zwettl durch den am Bach gelegenen Ortsteil und verläuft dann annähernd parallel zur Bundesstraße, jedoch kurvenreicher als diese, nach Osten. In diesem Abschnitt liegt die Haltestelle Harruck. Knapp einen Kilometer vor Groß Gerungs wurde 1986 die Haltestelle Heinreichs errichtet, die mangels Inanspruchnahme jedoch schon nach wenigen Jahren, noch zu Zeiten des Planbetriebes, aufgegeben wurde. Nach 43 Kilometern ist mit dem Kurort Groß Gerungs die Endstation dieses Streckenastes erreicht.

Weitra

1201 gründete der Kuenringer Hadmar II. die Burgstadt Weitra. Den Kern der Bevölkerung bildeten Ackerbürger. Seit 1296 war die Stadt im Besitz der Habsburger. 1582 schenkte Rudolf II. Wolf Rumpf Freiherrn vom Wielroß Burg und Stadt Weitra; nach dessen Tod fiel es 1607 an die Familie Fürstenberg, die bis 1848 die Grundherrschaft innehatte und immer noch Eigentümer des Schlosses und des dazugehörigen Großgrundbesitzes in der Umgebung ist.

Die Herrschaft Weitra gehörte ursprünglich nach Böhmen, doch wurde sie nach dem Tode Ottokar II. Přemysl von den Habsburgern beansprucht und die Stadt von den Kuenringern konfisziert, da diese Ottokar unterstützt hatten. Hinzu kamen lokale Unglücksfälle wie etwa Feuersbrünste 1651 und 1672. Weitra war seit dem 14. Jahrhundert bekannt für seine Bierbrauereien, von denen es in der Blütezeit 22 gab, heute sind es noch zwei. Später kam, ausgehend von der Weberei, wie in der gesamten Region Waldviertel die Textilindustrie dazu.

Im Grenzland gelegen, verlor Weitra nach dem Ersten Weltkrieg den in Südböhmen gelegenen Teil seines Hinterlandes. Besonders spürbar wurde dies durch den Eisernen Vorhang nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Randlage sowie der Umstand, dass es auch in der Vergangenheit nicht gelungen war, die Stadt an das hochrangige Verkehrsnetz anzuschließen und Industrie anzusiedeln (auch wenn 1903 der südliche Ast der Waldviertler Schmalspurbahnen von Gmünd nach Groß-Gerungs eröffnet worden war), wirkte sich nachteilig auf die wirtschaftlichen Verhältnisse aus.

1959 wurde die Kuenringerkaserne eröffnet, sodass Weitra Garnisonsstadt wurde.

Schloss Greillenstein

1313 wird erstmals von einer kleinen Wehrburg berichtet, die sich im Besitz des Geschlechtes der Greillen (auch Grello) befand. Dies ist übrigens der letzte Zeitpunkt, bis zu welchem das Geschlecht der Greillen nachweisbar ist. Die erste urkundliche Erwähnung der Burg datiert jedoch erst aus 1371, als sie in den Besitz der Herren von Dachbeckh gelangte.

Bis 1499 war die Herrschaft im Besitz der Herren von Dachbeckh, später gehörte sie den Herren von Volkra. Seit 1534 befindet sich Greillenstein im Besitz der Freiherren (später Grafen) von Kuefstein, deren bekanntestes Familienmitglied der Botschafter und spätere Vicedom (vergleichbar dem heutigen Landeshauptmann) von Oberösterreich Johann Ludwig von Kuefstein war.

Die Herrschaft Greillenstein wurde 1534 von Freiherr Johann Lorenz von Kuefstein gekauft und dessen Sohn Freiherr Hans Georg III. von Kuefstein ließ von 1570 bis 1590 die alte Wehrburg abtragen und beauftragte der Überlieferung nach einen italienischen Baumeister, an ihrer Stelle das heutige Schloss Greillenstein zu errichten, das 1604 einschließlich Innenausstattung und Einrichtung fertiggestellt wurde.

Greillenstein wurde als Verwaltungssitz für drei große Grundherrschaften (Feinfeld, Schauenstein und Greillenstein) im Waldviertel und als Repräsentations- und Sommersitz für die Familie gebaut. Dies war notwendig, weil die Kuefsteins damals protestantisch waren und Hans Georg III als Vicedom von Niederösterreich einen Ort brauchte von wo aus er seine Amtsgeschäfte führen konnte.

Trotz der protestantischen Gesinnung der Familie Kuefstein blieb sie dem Kaiser stets ergeben, aber es kam immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit dem benachbarten Stift Altenburg.

Im Dreißigjährigen Krieg blieb Greillenstein von Verwüstungen verschont, doch musste Hans Jacob Freiherr von Kuefstein 1620 das Schloss verlassen, als es vom Führer der Katholischen Liga, Kurfürst Maximilian von Bayern, besetzt wurde. Greillenstein war kurzzeitig katholisches Hauptquartier. Hier trafen sich Kurfürst Maximilian, Graf Tilly und Feldmarschall Graf Bucquoy vor der Schlacht am Weißen Berg um hier mehrere Tage eine Taktik für den bevorstehenden Krieg auszuarbeiten. Kurz vor Ende des Dreißigjährigen Krieges kamen kleine Truppenverbände der Schweden hier vorbei und besetzten das Schloss kampflos, ohne allerdings Schaden anzurichten. 1623 konvertierte Hans Jacob von Kuefstein zum katholischen Glauben und konnte damit die Herrschaft für seine Familie retten.

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Ruine Kollmitz bei Raabs an der Thaya

Die Burg wurde im 13. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. Im 14. Jahrhundert gab es dort ein Landgericht, dessen Galgen bei Ludweis stand. Die Herrschaft wechselte öfter (Wallseer, Winkel, Kratzer, Thyrna), bis die Burg 1411 Herrschaftssitz der Freiherren von Hofkirchen wurde. Wolfgang von Hofkirchen, der letzte Kollmitzer Hofkirchen starb 1611 im Prager Exil, wohin er wegen seines evangelischen Glaubens vertrieben wurde. Er war in der Gegenreformation von den katholischen Habsburgern als Rädelsführer der evangelischen Adelsstände betrachtet worden.

Kollmitz war rund 300 Jahre lang eng mit Drösiedl verbunden. Ab 1570 wurde Drösiedl zu einer Renaissanceburg umgebaut und die alte Burg Kollmitz wäre möglicherweise sogar verlassen worden, wenn nicht nach der Vertreibung Hofkirchens andere Besitzer dort gewohnt hätten.

Die Burg war ab 1616 Eigentum der Schütter, dann der Schubhardt, seit 1693 des Stiftes Pernegg, und 1708 gelangte die Burg schließlich in den Besitz von Franz Anton von Quarient und Raal (manchmal auch Raall), Inhaber der Herrschaft Raabs, der sie jedoch verfallen ließ. Dass die Burg wegen der Dachsteuer aufgegeben wurde, ist eine Legende. Es gab nach 1708 einfach keine Verwendung mehr für die Gebäude, darum verfielen sie bzw. wurden sogar als Steinbruch genutzt.

Die Burg hatte eine Vorgängerin auf der anderen Talseite westlich von Kollmitzgraben, deren Standort kaum mehr zu erkennen ist. Vermutlich trug diese Burg, die nur ca. 150 Jahre bewohnt wurde, den Namen Hauenstein. Erst mit dem Neubau von Kollmitz 400 m östlich wurde diese alte Burg verlassen. Alle bekannten Nennungen von Chalmunze etc. vor 1250 beziehen sich auf den Kollmitzberg bei Amstetten. Eine dendrochronologische Untersuchung ergab, dass 1319 der Bergfried der neuen Burg Kollmitz fertiggestellt wurde.

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Heidenreichstein

Der Ursprung der mächtigen und gut erhaltenen Wasserburg wurde etwa um das Jahr 1160 mit dem Bau des Bergfrieds gelegt.

Heute noch über zwei Zugbrücken zu betreten, hinterlässt die Burg Heidenreichstein einen gewaltigen Eindruck auf den Besucher.

In den Innenräumen, die nur im Rahmen von Führungen besichtigt werden können, ist noch die gesamte Einrichtung aus den verschiedensten Zeitepochen zu sehen, wie zum Beispiel eine tausendjährige Tischplatte und unzählige Tische und Stühle aus der Gotik, der Renaissance- und Barockzeit.

Gmünd

Die Stadt liegt am Zusammenfluss (Gemünde) der Lainsitz und des Braunaubaches, wovon sich ihr Name ableitet. Sie wurde im Grenzvertrag von 1179 zwischen Böhmen und Österreich als concurus duorum rivulorum genannt. Die Besiedlung dieses Gebietes ist in die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts einzuordnen.

Das Stadtschloss entstand im 16. Jahrhundert und ist umgeben von einem englischen Park.

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 wurde südlich der Stadt das Flüchtlingslager Gmünd für Vertriebene aus Galizien errichtet. Bis zu 50.000 Flüchtlinge waren dort beherbergt, bis das Lager 1919 seine Pforten schloss. Dort entstand später die Gmünd II genannte Neustadt.

Eine wichtige Wende in der Wirtschaftsgeschichte der Stadt war die Erbauung der Franz-Josefs-Bahn von Wien nach Prag und Budweis, die 1869 eröffnet wurde. In Gmünd befand sich mit der großzügig angelegten Werkstätte das betriebliche Zentrum der Franz-Josefs-Bahn, als Bahnknotenpunkt erlangte es zusätzliche Bedeutung. Dort verzweigten sich die beiden Streckenäste über Tábor nach Prag und Budweis, und ab 1900 war Gmünd auch Ausgangspunkt der Waldviertler Schmalspurbahnen.

Nove Hrady - Tschechien

  • Die 1277 durch die Witigonen erbaute Burg Nové Hrady ist nach Beendigung der Sanierungsarbeiten im Jahre 2000 wieder für den Besucherverkehr geöffnet.
  • Das zwischen 1802 und 1810 im Empirestil errichtete dreiflügelige Schloss Nové Hrady gehörte bis 1945 den Grafen Bucquoy. Zu seiner Ausstattung gehörten ein Theatersaal und ein Konferenzraum, der einem Generalfeldherrnzelt des Dreißigjährigen Krieges nachgestaltet wurde. Das Schloss und die angegliederten Gebäude sind heute im Besitz der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik, welche hier zusammen mit der Südböhmischen Universität České Budějovice ein Forschungszentrum im Bereich der Biowissenschaften betreibt. Der Schlosspark ist öffentlich zugänglich, und gelegentlich finden im Schlosstheater oder dem Spiegelsaal kulturelle Veranstaltungen statt.
  • Die Kirche St. Peter und Paul entstand 1284 und wurde ab 1679 zu ihrer heutigen Form umgebaut.
  • Das frühere Servitenkloster wurde 1677 durch Gotthard von Bucquoy gestiftet. Er machte damit nach seiner Genesung ein Versprechen wahr, das er 1664 nach seiner schweren Verwundung in der Türkenschlacht bei St. Gotthardt an der Raab geleistet hatte. Das barocke Bauwerk erhielt 1708 seine jetzige Gestalt.
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